Master Class: Datennutzung ist Führungsaufgabe
- Nisha Gautam
- October 5, 2026
- TECHTALK
- Data2Value, Data2ValueExecutiveDialogue
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03:10 Claudia Dirks: Von der Dateninfrastruktur zur Datennutzung
14:24 Tibor Kesztyüs: Perspektive der Universitätsmedizin Göttingen
29:04 Julie Johnson: Self-Service und klinische Datennutzung
45:43 Praxisbeispiele: Einsparungen und Forschungserfolge
50:58 Diskussion: Den Nutzen von Daten messen
59:21 Armin Scheuer: ADAMS und synthetische Daten
01:06:10 Abschlussrunde: Datennutzung zukunftsfest gestalten
Deutschland hat in den vergangenen Jahren eine leistungsfähige Infrastruktur für klinische Daten aufgebaut. Jetzt entscheidet sich, ob daraus Wert für Versorgung, Forschung und Krankenhaussteuerung entsteht. Die zentrale Botschaft der Data2Value Online Master Class: Dieser nächste Schritt ist nicht allein technologisch. Er braucht Führung, klare Prioritäten und die Bereitschaft, Daten als strategische Ressource des Krankenhauses zu nutzen.
Für Prof. Dr. Tibor Kesztyüs, wissenschaftlicher Leiter des MeDIC der Universitätsmedizin Göttingen, beginnt der Weg zum „Data-Driven Hospital“ auf Leitungsebene. Daten könnten künftig nicht nur Forschung unterstützen, sondern auch Entscheidungen und Prozessverbesserungen im Krankenhaus.
Wenn Sie das Bewusstsein für diese Chance bei der Führung, bei der Leitung nicht haben, dann werden Sie auch hinterher nicht erfolgreich sein können.
An der Universitätsmedizin Göttingen habe der Vorstand das Potenzial der Datennutzung erkannt und unterstütze den nächsten Entwicklungsschritt des MeDIC. Dieser Rückhalt ermöglicht es, aus einer Forschungsinfrastruktur eine strategische Ressource für die gesamte Organisation zu entwickeln.
Die geplante Einführung der ADAMS-Plattform von MDClone ist Teil dieses Schritts. Aufbauend auf dem bestehenden MeDIC sollen klinische Daten leichter für Forschung, Versorgung und Krankenhausprozesse nutzbar werden.
Datenqualität bleibt dabei Voraussetzung. Medizinische Routinedaten sind nicht automatisch vollständig oder fehlerfrei; Dokumentationsprozesse und Medienbrüche wirken sich unmittelbar auf ihre Qualität aus.
„Wenn Sie keine gute Datenqualität liefern, zum Beispiel auch für KI-Werkzeuge, dann gilt: Garbage in, garbage out“, erklärte Kesztyüs.
Die Themen der Master Class
Die Master Class folgt dem Weg von der aufgebauten Infrastruktur bis zur konkreten Nutzung im Krankenhaus:
- Von der Forschungsinfrastruktur zum Krankenhausalltag: Claudia Dirks ordnet ein, warum Datenintegrationszentren dauerhaft Teil der Krankenhausinfrastruktur werden sollten.
- Vom MeDIC zum Data-Driven Hospital: Prof. Dr. Tibor Kesztyüs zeigt, warum Leadership, Datenqualität und einfacher Zugang entscheidend sind.
- From Access to Answers: Dr. Julie A. Johnson von der University of Chicago berichtet, wie Self-Service-Analysen Forschung und Krankenhausprozesse verändern.
- Globale Erfahrungen lokal nutzbar machen: Armin Scheuer von MDClone erläutert Self-Service-Analysen, synthetische Daten und internationale Lernmodelle.
- Moderation: Digital-Health-Journalist Artur Olesch führt durch die Diskussion.
So spannt die Master Class den Bogen vom Status quo in Deutschland über die Perspektive eines Universitätsklinikums bis zu Erfahrungen aus den USA.
Internationale Erfahrungen lokal nutzen
Armin Scheuer erläuterte, welche Rolle internationale Erfahrungen dabei spielen können. Self-Service-Analysen und synthetische Daten können Zugangsbarrieren reduzieren und mehr Menschen ermöglichen, mit klinischen Daten zu arbeiten.
„Knowledge is global, healthcare is local“, fasste Scheuer den Ansatz zusammen.
Modelle anderer Gesundheitssysteme lassen sich jedoch nicht einfach übertragen. Sie können Orientierung geben; die Umsetzung muss zu den Strukturen, Prioritäten und Verantwortlichkeiten des jeweiligen Krankenhauses passen.
Chicago zeigt, was aus leichterem Datenzugang entstehen kann
Dr. Julie A. Johnson vom Center for Research Informatics der University of Chicago berichtete, wie sich dort der Zugang zu klinischen Daten verändert hat. Statt jede Fragestellung an spezialisierte Analytics-Teams weiterzugeben, können Mitarbeitende einen wachsenden Teil der Analysen selbst durchführen.
Die Wirkung zeigt sich auch im Krankenhausbetrieb. Eine Analyse der Krankenhausapotheke führte bei einem hochpreisigen Medikament zu realisierten Einsparungen von 462.000 US-Dollar.
Zugleich wurden seit Einführung der Plattform laut Johnson rund 20.000 Stunden analytischer Arbeit in Self-Service-Nutzung überführt.
Damit entstand ein neuer Engpass.
Heute haben wir mehr Fragen, als wir Menschen haben, die sie umsetzen können.
Für Johnson markiert das einen strategischen Wendepunkt: Sobald Daten schneller zugänglich werden, reicht Analytics allein nicht mehr aus. Krankenhäuser brauchen Menschen, die Erkenntnisse in Entscheidungen und Veränderungen übersetzen. Verantwortliche und Umsetzungsteams sollten deshalb von Beginn an mitgedacht werden.
Vorhandene Strukturen dauerhaft sichern
Claudia Dirks, eHealth-Journalistin beim ONE MII – Journal, erinnerte daran, dass die Medizininformatik-Initiative weit mehr geschaffen hat als IT-Infrastruktur: Standards, Kompetenzen und Zusammenarbeit zwischen Medizin, Informatik, Forschung, Verwaltung und Datenschutz.
Der nächste Schritt besteht aus ihrer Sicht darin, Datenintegrationszentren aus der primären Forschungslogik heraus weiterzuentwickeln. Sie könnten Behandlungspfade analysieren, Ressourcensteuerung unterstützen und Entscheidungen auf eine belastbarere Datengrundlage stellen.
„Die Funktion muss erhalten bleiben“, sagte Dirks.
Mit dem Ende einer Förderperiode endet nicht der strategische Wert der aufgebauten Strukturen. Dirks plädiert dafür, Datenintegrationszentren dauerhaft als Teil der digitalen Krankenhausinfrastruktur zu verstehen – möglicherweise als „Betriebssystem für eine stärker datenbasierte Medizin“.
THINK. ACT. HEALTH.
THINK. Datennutzung ist keine reine IT- oder Forschungsfrage. Sie muss als strategische Fähigkeit verstanden und von der Leitung getragen werden.
ACT. Infrastruktur allein schafft noch keinen Wert. Krankenhäuser müssen Daten nutzbar machen, Kompetenzen aufbauen und Verantwortliche benennen, die Erkenntnisse in Veränderungen übersetzen.
HEALTH. Der Maßstab ist nicht die Zahl verfügbarer Daten oder Analysen, sondern ihr Beitrag zu besserer Versorgung, wirksameren Prozessen, stärkerer Forschung und fundierteren Entscheidungen.
Unter dem Titel „VOM MeDIC IN DIE VERSORGUNG“ diskutierten Expert:innen aus Deutschland und den USA darüber, wie aus bestehender Dateninfrastruktur eine strategische Ressource für Krankenhäuser werden kann. Die von Artur Olesch moderierte Master Class verbindet die Entwicklung an der Universitätsmedizin Göttingen mit Erfahrungen aus der Medizininformatik-Initiative und der University of Chicago.
Written with the assistance of AI.
