KI-Region Lausitz: Sieben Thesen für die Versorgungsstrategie.
- Nisha Gautam
- Oktober 9, 2026
- TECHTALK
- Data2Value, Data2ValueExecutiveDialogue
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Wie kann KI im Universitätsklinikum Lausitz und in der gesamten Modellregion dazu beitragen, die „Versorgung zu sichern“ und die „Zukunft zu gestalten“? Bei der Konferenz „Zukunft kuMULativ“ erörterten Expertinnen und Experten ein breites Themenspektrum – von Daten und Integration über Governance und klinische Verantwortung bis hin zur Überführung von Innovation in die reale Versorgung.
KI entfaltet ihren Nutzen nicht durch das Modell allein. Entscheidend sind Daten, Integration, Governance, Verantwortung und die Fähigkeit, Innovation aus Forschung und Pilotprojekten in den Versorgungsalltag zu übersetzen. Für die Versorgungsstrategie eines regionalen Gesundheitssystem ergeben sich daraus sieben Kernthesen.
1. Nicht mit KI beginnen, sondern mit dem Problem
Der Ausgangspunkt sollte nicht die Frage sein, wo KI eingesetzt werden kann, sondern welches konkrete Problem gelöst werden soll. Rudi Dück, CIO am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) beschrieb dafür den Ansatz der „Wertströme“: klar definierte Abläufe mit erkennbarem Nutzenpotenzial, häufig über Berufs- und Organisationsgrenzen hinweg. Denn KI kann einen einzelnen Arbeitsschritt optimieren und gleichzeitig den Gesamtprozess verschlechtern. Deshalb braucht es eine Ende-zu-Ende-Perspektive – etwa beim Patient Flow, Bettenmanagement, Arztbrief oder der Qualitätssicherung.
2. Integration schlägt Demo
Ein funktionierendes KI-Modell ist noch keine funktionierende Versorgungslösung. Beim KI-Arztbrief lässt sich ein plausibler Text vergleichsweise schnell erzeugen. Die eigentliche Herausforderung beginnt danach: Datenqualität, Dokumentation, Einbindung in das Krankenhausinformationssystem, Freigabeprozesse und Arbeitsabläufe.
Dasselbe gilt für Predictive Analytics. Ein System zur Früherkennung einer Sepsis bringt wenig, wenn Ärzte sich zusätzlich in eine separate Anwendung einloggen müssen. Die Botschaft: KI muss zum Anwender kommen – nicht der Anwender zur KI. Denn technischer Erfolg ist nicht gleich klinischer Erfolg.
3. Ohne Daten keine regionale KI
Die Qualität von KI hängt unmittelbar von der Datenbasis ab. Aber innerhalb von Krankenhäusern fehlen teilweise einheitliche Dokumentationsstandards und semantisch eindeutige Datenmodelle. Auf regionaler Ebene kommt eine weitere Herausforderung hinzu: Krankenhausdaten allein bilden Versorgung nicht ab.
Ambulante Versorgung, Pflege und weitere Bereiche müssen einbezogen werden, wenn Modelle die Realität einer Region widerspiegeln sollen. Denn gerade Universitätskliniken arbeiten häufig mit selektierten, besonders kranken Populationen. Für regionale Anwendungen reicht das nicht aus.
4. Die ePA nutzen – aber nicht auf sie warten
Die elektronische Patientenakte wurde als wichtige Grundlage für zukünftige KI-Anwendungen diskutiert – auch dank der Präsenz von Dr. Florian Hartge, Geschäftsführer der gematik.
KI könnte große Mengen an Informationen strukturieren, Risiken erkennen, relevante Vorgeschichten zusammenfassen und Ärzte wie Patienten bei der Orientierung unterstützen.
Gleichzeitig wurde für die Modellregion ein zusätzlicher, interoperabler Innovationsraum diskutiert – kompatibel mit nationalen Strukturen, aber schnell genug, um neue Anwendungen entwickeln, testen und validieren zu können. Die Lausitz könnte damit Innovation erproben, statt ausschließlich auf die nächste Entwicklungsstufe nationaler Infrastruktur zu warten.
5. Zwischen Forschung und Versorgung fehlt eine Brücke
Ein gutes Forschungsergebnis ist noch keine Versorgungsinnovation. Ein Algorithmus muss nach der Entwicklung in realen Versorgungspopulationen validiert werden. Nutzen und mögliche Schäden müssen geprüft werden. Erst danach kann die Integration in die Routineversorgung folgen.
Damit ergibt sich eine klare Kette:
Forschung → Validierung in realer Versorgung → Integration in die Versorgung
Gerade dieser mittlere Schritt ist häufig nicht ausreichend organisiert. Für die Lausitz könnte deshalb ein gesicherter Innovationsraum relevant werden, in dem regulatorische Anforderungen, technische Interoperabilität und reale Versorgung von Beginn an zusammengedacht werden.
6. Governance ist Teil der Innovation
Datenschutz, IT-Sicherheit, Medizinprodukterecht, Haftung und Ethik wurden nicht als Themen für das Projektende verstanden. Kommen sie erst nach einem erfolgreichen Proof of Concept hinzu, werden sie zur Barriere.Die Alternative: frühes Experimentieren ermöglichen, anschließend aber klare Stage-Gates einbauen und systematisch prüfen, welche Projekte tatsächlich weitergeführt werden sollten. Auch das Stoppen eines erfolgreichen Pilotprojekts kann dabei die richtige Entscheidung sein.
7. Die Region braucht gemeinsame Verantwortung
Viele Probleme entstehen dort, wo Prozesse mehrere Berufsgruppen und Institutionen betreffen und niemand Ende-zu-Ende-Verantwortung trägt. Das UKSH arbeitet deshalb an neuen Governance-Modellen und hat mit seinen „IT-Docs“ mehr als 120 leitende Ärztinnen und Ärzte in Digitalisierungs- und KI-Projekte eingebunden.
Für die Lausitz wurde diese Frage noch größer gedacht: Braucht die Modellregion gemeinsame KI-Kompetenz, Governance und Infrastruktur, auf die Krankenhäuser, ambulante Versorgung und weitere Akteure zugreifen können?
Die strategische Frage: Was könnte eine Modellregion leisten?
Die Lausitz könnte zu einem Ort werden, an dem KI nicht isoliert in einzelnen Einrichtungen eingeführt wird, sondern regional organisiert wird: mit gemeinsamer Datenbasis, sicheren Innovationsräumen, Governance, Validierung und konkreten sektorübergreifenden Anwendungen.
Genannt wurden unter anderem Patient Summaries, digitale Ersteinschätzung, Patienten- und Ressourcensteuerung sowie eine bessere Begleitung von Menschen entlang ihrer gesamten Versorgung.
Dabei wurde auch deutlich: Internationale KI lässt sich nicht einfach importieren. Modelle müssen zu regionalen Daten, Bevölkerungsstrukturen und Versorgungsrealitäten passen.
THINK.
Nicht mit der Technologie beginnen. Zuerst definieren, welches konkrete Versorgungsproblem gelöst werden soll und welche Daten dafür notwendig sind.
ACT.
Daten, Integration, Governance und klinische Verantwortung von Anfang an gemeinsam organisieren. Anwendungen früh unter realen Bedingungen testen und ihre Wirkung messen.
HEALTH.
Der größte Nutzen entsteht nicht durch möglichst viele KI-Projekte, sondern durch eine regionale Infrastruktur, die Forschung, Versorgung und unterschiedliche Akteure miteinander verbindet.
Quellen: Beiträge und Diskussionen, die diesem Artikel zugrunde liegen
Der Artikel basiert auf dem Programm des zweiten Konferenztages sowie den dortigen Vorträgen und Paneldiskussionen:
- KI und digitale Gesundheitsanwendungen im Gesundheitswesen: Aktueller Stand, Grundlagen und realistische Potenziale – Prof. Jochen Klucken, University of Luxembourg.
- Vom Hype zur Anwendung: Welche KI braucht die Gesundheitsversorgung wirklich? – Prof. Franziska Bathelt, PD Dr. Med. Matthias Zuchowski, MUL – CT; Florian Hartge, gematik; Prof. Ludwig Hinske, Universitätsklinikum Augsburg.
- KI im internationalen Vergleich: Was wir von anderen Ländern lernen können – Mary Osborne, Duke University.
- Lernreise KI: Erfahrungen einer deutschen Klinik auf dem Weg von der Idee zur Anwendung – Rudi Dück, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.
- KI in der Lausitz: Chancen, Risiken und gemeinsame nächste Schritte – Dr. Tobias Kroggel, MVZ Lauchhammer; Frank Engelking und Julia Backhaus, MUL – CT; Katja Österreicher, Vinzenz Kliniken Wien.
- Vom Austausch zur Umsetzung: Perspektiven für eine regionale KI-Agenda – Martin Peuker, MUL – CT
Written with the assistance of AI.
